Die deutsche Kunstszene

In Deutschland ist die Kunstszene, und vor allem die Kulturpolitik durch chronische Geldknappheit ins Stocken geraten. Galerien, Künstler und Mäzene tun sich in Deutschland zusammen, um auf privater Basis bei Kunstmessen die Werke junger Künstler den Kunstinteressierten und Institutionen näher zu bringen. Außerordentlich groß ist heute die Nachfrage nach deutscher Kunst in der globalisierten Welt.

Der Bundesverband der Galerien ließ neulich verlauten, dass der Export ins Ausland enorm gestiegen ist. Frankreich, Italien, Österreich, Spanien, England haben einen wesentlich geringeren Zugang zum internationalen Kunst- und Messebetrieb. Herausragendes Beispiel ist der neo-expressionistische Maler Anselm Kiefer, Schüler von Josef Beuys, ein hochkarätiger Künstler mit internationalem Ruf (2005 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, 2008 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels). Gerade die Malerei hat in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen.

Der Hunger nach Bildern wird im Zeitalter der Digitalisierung immer größer. Aktuell gehandelte deutsche Künstler sind der Maler Neo Rauch, der mittlerweile ein Shooting-Star der internationalen Kunstwelt ist (1997 Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung, 2005 Ernennung zum Professor der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, 2005 "mfi Preis Kunst am Bau", 2004 Hugo Boss Prize), der Maler Thomas Scheibitz (gestaltete 2005 den deutschen Pavillon bei der Biennale in Venedig), der Maler Norbert Bisky (ein Meisterschüler von Georg Baselitz), die Malerin, Autorin und Filmemacherin Cornelia Schleime (2004 Fred-Thieler-Preis, 2004 Gabriele Münter Preis, 2005 Award of excellent painting - National Art Museum of China) sowie die Malerin und Objektkünstlerin Elvira Bach (Teilnahme an der Dokumenta 7).

In der Bildhauerei ist Eva Hesse eine der bekanntesten internationalen zeitgenössischen Künstlerinnen. Mit Latex und Fiberglas gestaltete die 1970 verstorbene Hamburger Künstlerin raumgreifende Skulpturen und setzte damit neue Aspekte in die Kunstwelt. Sie verschaffte der deutschen Skulpturenkunst Ansehen und Akzeptanz in der New Yorker Kunstszene. Die ästhetische Fotographie und die Kunstfotographie wurden in Deutschland als Kunstmedium deutlich aufgewertet, konnte sich aber international nur punktuell platzieren. Deutsche Medienkunst wie zum Beispiel Videoinstallationen und Multimedia-Skulpturen können dem globalen Wettbewerb standhalten. Die bildende Kunst in Deutschland beeinflusst jedoch maßgeblich die innovativen Entwicklungen in Europa und auch weltweit. Die documenta in Kassel gilt als internationale Plattform der bildenden, zeitgenössischen Kunst.